Interview mit Angela Dorn

Foto von: kunst.hessen.de

Artikel von Kim Endler und Lisa Gesue, ursprünglich im Rahmen der Woche der jungen Schauspieler.

Theater wirkt tief, ohne Holzhammermethode

– ein Interview mit Angela Dorn, hessische Ministerin für Kultur und Wissenschaft

Die Woche der jungen Schauspieler*innen  feiert dieses Jahr ihren 25. Geburtstag. In diesem Zuge stellte sich Angela Dorn unseren Fragen zum Thema Theater, Kultur und Politik.

 „Mit Mut und Leidenschaft deckt das Theater auf, was falsch läuft, es lässt uns träumen, macht uns Hoffnung, bringt uns zum Weiterdenken.“ Mit diesen Worten antwortet die Ministerin Angela Dorn für Wissenschaft und Kunst auf die Frage, welche Bedeutung für Sie persönlich Theater hat.

Angela Dorn ist 37 Jahre alt und eine deutsche „Bündnis 90/Die Grünen“ Politikerin. Sie studierte Psychologie an der Phillipps-Universität in Marburg und hat sich bereits seid ihrer Jugend in der Politik engagiert. Seit 2009 sitzt sie für „Die Grünen“ im Landtag. Seit dem 18. Januar 2019 ist sie hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst.

Im Rahmen der Woche der jungen Schauspieler, die dieses Jahr in die 25. Runde geht, stellt sich die Ministerin unseren Fragen.

Zu Beginn wollten wir wissen, welche Bedeutung für Sie persönlich Theater hat. „Theater leistet einen sehr wichtigen Beitrag für unsere Demokratie und die Entwicklung unserer Gesellschaft. Es hält uns schon seit seiner Entstehung einen kritischen Spiegel vor. […] Theater wirkt tief, ohne die Holzhammermethode anzuwenden.“ Des Weiteren wollten wir von ihr wissen, welche Rolle Theater in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt noch einnehmen kann. „Theater und die darstellenden Künste insgesamt sind wunderbare Kunstformen, weil sie ganz viele Funktionen haben. Theater ist eine absolut gegenwärtige Kunst und fest im Hier und Heute verankert.“, antwortet sie. „Es greift aktuelle und künftige Themen auf, verhandelt sie und ist dadurch eine wichtige Stimme in aktuellen Diskussionen. […]“

Eine durchaus wichtige Frage ist, ob Jugendliche einen weniger starken Bezug zu Theater haben. „Theater steht heute in einer brutalen Konkurrenz, das Angebot war von Kino bis Playstation, von Youtube bis Netflix noch nie so groß wie jetzt. Deshalb kämpft das Theater um jede Zuschauerin und jeden Zuschauer, egal aus welcher Altersgruppe. Die Theater haben darauf reagiert. Sie spielen ganz unterschiedliche Stücke, bieten zusätzliche Formate an und haben den Zugang dadurch für viele, auch für junge Menschen deutlich einfacher gemacht. Und das kommt an: Ich freue mich, dass die unterschiedlichen Angebote auf und neben der Bühne auch in unseren hessischen Theatern von jungen Menschen stark gefragt ist.“

Wir fragten sie, welche Rolle/Verantwortung ihrer Meinung nach Theater gegenüber Gesellschaft hat: „Das Theater ist schon immer auch eine politische und zugleich eine undemokratische Kunstform […]. [Heute noch nimmt Theater eine wichtige Rolle ein]: mutig sein, die Verhältnisse spiegeln, unbedingt auch mal provozieren und selbstbewusster Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung sein- das wünsche ich mir vom Theater.“

Welche Bedeutung haben Festivals, wie die Woche der jungen Schauspieler*innen für ländliche Gegenden, wie zum Beispiel unsere Bergstraße, ihrer Meinung nach? „Gerade für Regionen etwas abseits der Zentren sind Festivals ein sehr gut geeignetes Mittel, um hochwertige Kulturangebote auch außerhalb der Ballungsräume zu präsentieren und dem dortigen Publikum eine unkomplizierte Teilhabe zu ermöglichen. Die Woche der jungen Schauspieler*innen gibt es schon seit 25 Jahren- eine beeindruckend lange Zeit, die zeigt, dass die Festival-Idee schon damals richtig war, bis heute funktioniert und in der Regel als ein Höhepunkt des Kulturjahres bestens verankert ist.“

Trotzdem fragen wir uns, wie man einen stärkeren Bezug zum Theater, vor allem in ländlichen Gegenden möglich machen kann. Darauf antwortet sie uns, dass dazu alle politischen Ebenen und gesellschaftlichen Akteur*e*innen an einem Strang ziehen müssen. „Einerseits sehe ich es als Aufgabe der Kulturpolitik des Landes die Akteurinnen und Akteure der Darstellenden Künste zu mobilisieren, zu Gastspielen auch im ländlichen Raum Hessens zu ermuntern […]. Das Landestheater Marburg etwa hat ausdrücklich den Auftrag, auch in Bürgerhäusern auf dem Land aufzutreten; dafür haben wir seine Finanzierung in diesem Jahr deutlich aufgestockt. Und andererseits möchte ich gern die Kommunen ermuntern […] mutig zu sein und die vielen hochwertige hessische Produktionen […] zu Gastspielen einzuladen.“

Darauf stellen wir die Frage, die uns aus persönlichen Gründen sehr wichtig war: Denken Sie, dass gerade in Zeiten, in den vor allem junge Leute eine Stimme suchen (Fridays for Future, usw.) Literatur, Kunst und auch Theater eine Ausdrucksform für Gesellschaftskritik sein kann?

„Selbstverständlich, da gibt es gar keinen Zweifel- jede Art künstlerischen Ausdrucks hat die Kraft und auch die Aufgabe, die gesellschaftlichen sie Verhältnisse kritisch in den Blick zu nehmen. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr junge Menschen die Kunst als Medium dafür entdecken.“

Natürlich wollten wir auch wissen, was die junge Politikerin an Kunst, Theater und Kultur allgemein in ihrer Jugend fasziniert hat. „Ich erinnere mich an ein bewegendes Erlebnis: Es war eine Ballettaufführung, die ich als 16-Jährge besucht habe. Ich weiß weder, was getanzt wurde noch von wem; es war etwas Modernes und für mich der erste Zauber, den ich mit Kunst erlebt habe. Es ging um einen wahrhaften Aufbruch, das blieb emotional haften. Ich saß ohne große Erwartungen da, bis ich zum Ende gar nicht mehr wusste, was ich mit meinen starken Gefühlen machen sollte, die Tanz und Musik in mir auslösten. Ich traute mich kaum noch zu atmen, war völlig in den Bann gezogen und konnte vor Faszination noch nicht einmal applaudieren, ich fühlte mich jenseits dieser Welt. Schon damals hat mich beeindruckt, dass Kultur Verbindungen schafft. Menschen, die vielleicht auf anderen Ebenen, sei es beruflich oder aufgrund ihrer Herkunft, nicht viel gemeinsam haben, können zusammenrücken, wenn sie feststellen, dass sie sich in ihren kulturellen Interessen nahe sind.“

Erschienen im BA: https://www.morgenweb.de/bergstraesser-anzeiger_artikel,-bensheim-vom-zauber-der-schoenen-kuenste-_arid,1620337.html

Lisa Gesue

Mitglied der Grünen Jugend Bürstadt

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